Zum Start von Sri Lanka Advocacy: Editorial der Redaktion (dt./engl.)
8. Juni 2010Sri Lanka im Jahr 1 nach dem Krieg: Ein verlorenes Land?
Die weitere Entwicklung Sri Lankas ist unklar. Der fast dreißigjährige Bürgekrieg zwischen dem Staat der singhalesischen Mehrheit und der im Namen der tamilischen Minderheit kämpfenden Rebellen ist zu Ende. Die ‘Liberation Tigers of Tamil Eelam’ wurden besiegt, die amtierende Regierung in zwei aufeinander folgenden Wahlen diesen Jahres eindrucksvoll bestätigt. Dabei gaben – womit viel gesagt ist – im tamilischen Norden zuletzt nur 30% der Wahlberechtigten, im singhalesischen Süden nur knapp über 60% ihre Stimmen ab. Die Lage der Vertriebenen, der Flüchtlinge und der Insassen der großen und kleinen Internierungslager ist dramatisch. Das gilt besonders für die Kinder, auch für ehemaligen Kindersoldaten, die im krassen Widerspruch zur Kinderrechtsakonvention wie Erwachsene interniert werden. Dabei werden die sozialen und politischen Bürger_innenrechte auch im singhalesischen Süden eingeschränkt, werden Oppositionelle, Menschenrechtsaktivist_innen, Journalist_innen behindert, verfolgt, entführt, ermordet. Zugleich macht sich in ganz Sri Lanka die globale ökonomische Krise bemerkbar.
(english version below!) Natürlich ist unter solchen Umständen die Schließung der Lager und die Rückkehr der Internierten zu ihren Wohnorten unstrittig von oberster Priorität. Doch hängt eine Perspektive auf Frieden, Versöhnung, Gerechtigkeit, auf Demokratie im tamilischen Norden letztlich auch an der dringend erforderlichen Demokratisierung des Südens. Und: Nach fast dreißig Kriegsjahren hängt eine solche Perspektive auch an einer angemessenen Wahrnehmung der Situation auf Sri Lanka in der inter_nationalen Politik, in Institutionen und Organisationen der Lobby- und Advocacyarbeit, in der inter_nationalen Öffentlichkeit. Ein derart informiertes nationales wie internationales “feed-back” kann dazu beitragen, dass der srilankische Staat sich auf einen rechtebasierten friedensbildenden und menschrechtsorientierten Wiederaufbau des Nordens wie des Südens verpflichtet. Dazu gehört dann aber auch die politische, juristische und ökonomische Anerkennung der Verantwortung für die jahrzehntelange Unterdrückung der tamilischen (und anderer) Minderheiten und der Verantwortung insbesondere für die Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zeitraum Januar bis Mai 2009. Das schließt selbstverständlich die Offenlegung entsprechender Verbrechen der tamilischen Guerilla ein.
Zur Entfaltung solchen Drucks beizutragen ist das Ziel des unabhängigen Netzwerks Sri Lanka Advocacy, das von mehreren deutschen Hilfs- und Entwicklungsorganisationen unterstützt wird. Ein Mittel dazu ist diese Website, die sich an alle interessierten Leser_innen, insbesondere aber an Menschen richtet, die mit Sri Lanka zu tun haben: Journalist_innen, Expert_innen, Politiker_innen, Mitarbeiter_innen von Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, politische Initiativen und Institutionen verschiedener Art. Ansprechpartner ist auch die srilankische Diaspora in Deutschland, Menschen tamilischer wie singhalesischer Sprache. Adressat_innen sind schließlich auch alle unsere Parner_innen auf Sri Lanka.
Da sich das Netzwerk in Lobby-, Advocacy- und Forschungsaktivitäten engagiert, wird diese Website immer auch der Dokumentation dieser Aktivitäten dienen. Darüber hinaus präsentieren wir hier ausgesuchte Artikel und Dokumente aus Medien verschiedenster Art: Artikel unterschiedlicher Anlage und Herkunft, Forschungsdokumente, Dokumentationen politischer und humanitärer Initiativen einschließlich unserer eigenen, Statements, Interviews mit Akteur_innen auch auf Sri Lanka. Unsere leitende Idee ist, aus der Menge der Publikationen zu Sri Lanka die Beiträge auszuwählen, die wirklich von allgemeinem Interesse sind. Die meisten Beiträge werden in englischer Sprache publiziert, deutsche nach Bedarf und Möglichkeit ins Englische übersetzt werden. Erhalten wir wichtige Dokumente in tamilischer oder singhalesischer Sprache, werden wir uns um englische Übersetzung bemühen. Selbstverständlich bitten wir darum, uns relevante Beiträge zur Präsentation zuzusenden, wobei wir uns auch hier die Auswahl vorbehalten. Schließlich werden wir Sie von interessanten Veranstaltungen verschiedener Art unterrichten. Um Sie auf dem Laufenden zu halten, senden wir Ihnen gerne einmal im Monat den Newsletter zu, den sie auf dieser Seite per Mausklick oder per Email info@lanka-advocacy.org abonnieren können.
Die Fotos der Juni-Ausgabe stammen von einem Flüchtlingslager in Batticaloa, Ostküste, 2007
Thomas Seibert
Koordinator Sri Lanka Advocacy
Sri Lanka the year 1 after the war: A lost country?
The further development of Sri Lanka is unclear. The civil war between the Sinhalese majority’s state and the rebels fighting in the name of Tamil minority, lasting for nearly 30 years, is over. The ‘Liberation Tigers of Tamil Eelam’ are defeated, the ruling government was impressively confirmed in two consecutive elections. However, only 30% in the Tamil North and East and below 70% of the people in Sinhalese South participated in the elections. The situation of the displaced people, the refugees and the inmates of the big and small internment camps is dramatic, especially those of the children and former child soldiers who in contradiction to child rights are treated as adults. Social and political rights are restricted in the South, too: opposition-activists, human rights-defenders, journalists are obstructed, persecuted, kidnapped, and murdered. Meanwhile the economic crisis is noticeable in the whole of Sri Lanka.In the circumstances, the dissolution of the camps and the return of the IDPs to their homeplaces have to be given first priority, of course. But a perspective for peace, reconciliation, justice and democracy in the North necessarily depends on the urgently required democratisation also in the South as well. And: After almost thirty years of war such a perspective depends on an adequate acknowledgement of the given situation in Sri Lanka in national and international politics and institutions and organisations concerned with lobby- and advocacy-work worldwide. Such informed national and international feed-back can help the Srilankan state to undertake rightsbased peace building and reconstruction in the North and in the South. This includes the political, legal and economic recognition of repression of the Tamil (and other) minorities in the past years and l, especially of war crimes and crimes against humanity committed in the period between January and May 2009. Of course corresponding crimes of the Tamil rebels have to be taken up in the same way.
Supported by several German relief- and development organisations, the independent network Sri Lanka Advocacy tries to contribute to such a process, among other by means of this Website, addressing journalists, experts, politicians, professionals from relief- resp. development organisations and other political initiatives and institutions in Germany, but also people from Tamil and Sinhalese background in the Srilankan Diaspora and, of course, in the country itself.
As the network is also engaged in lobby-, advocacy- and research activities, it will use the Website as a platform to document these activities, too. Beside that we will present articles of different type and origin, research documents, documentations of political and humanitarian initiatives including our own, and statements, also interviews with actors in Sri Lanka. We try to select out of the abundance of publications on Sri Lanka those which really are of general interest. Most of the contributions will be published in English; those in German will be translated into English if necessary. If we find very important documents in Tamil or Sinhalese, we shall try to get them translated. Of course we ask you all to send us texts you would like to be published while reserving the right to make the final selection We will also inform you on important Sri Lanka-related activities in Germany.
Please subscribe to our monthly newsletter – can by done from the website as well as by Email to info@lanka-advocacy.org.
The photos published in this edition are made in an IDP-camp in Batticaloa, 2007
Thomas Seibert
Coordinator Sri Lanka Advocacy
Veröffentlicht: Juni 8th, 2010 | Autor: Redaktion | Kategorie: News | Kommentare deaktiviert