Hintergrund: Sri Lankas Übergang zur Diktatur – Der “18. Verfassungszusatz” als “Ermächtigungsgesetz”. +++ Background: Sri Lankas transition to dictatorship – the “18th. Amendment” as “Enabling Act”.
12. Oktober 2010
Anfang September 2010 setzte die Regierung des Präsidenten Mahinda Rajapaksa im Eilverfahren den “Achtzehnten Zusatz zur Verfassung” durch. Mit dieser grundlegenden Veränderung der verfassungsmäßigen Ordnung droht dem Land – so die führende Menschen- und Bürgerrechtsorganisation Centre for Policy Alternatives (CPA) – eine “constitutional dictatorship”. Problematisch daran ist aber nicht nur die fundamentale Erweiterung der Machtbefugnisse des Präsidenten und des ganzen “Rajapakse-Systems”. Problematisch ist auch, dass der Übergang zur Diktatur sich auf die parlamentarische Mehrheit – und auf die Mehrheit des singhalesischen Teils der Gesellschaft stützen kann. Problematisch ist weiter, dass der loyalen Zustimmung der singhalesischen Mehrheit die systematische Entrechtung, Unterdrückung, Missachtung und blanke Verelendung der tamilischen Minderheit – und der anderen Minderheiten des Landes entspricht: einschließlich der Minderzahl der SinghalesInnen, die sich dem “Rajapaksa-System” widersetzen. Politisch hat sich damit allerdings eines grundsätzlich geklärt: Eine Verteidigung oder auch erste Durchsetzung von Demokratie in Sri Lanka wird ihren Prüfstein jetzt umso mehr in der Frage der Minderheiten haben. Informationen zum 18. Verfassungszusatz finden Sie in den folgenden Beiträgen (Bitte klicken Sie unterhalb dieses Beitrags “Older entries”), hier beginnen wir mit der Dokumentation des Textes selbst. +++ In September 2010 President Mahinda Rajapaksa quickly pushed threw the “18th. Amendment” to the Constitution, by which the country – as the leading Human Rights and Civilrights-Organisation Centre for Policy Alternatives (CPA) puts it – is heading towards a “constitutional dictatorship”. The problem is not only the fundamental extension of the president’s authority and thereby of the power of the whole “Rajapaksa-System”. Problematic is, that the transition to dictatorship is backed by the parlamentarian majority – and by the majority of the singhalese part of the society. Problematic is further, that the loyal compliance of the singhalese majority corresponds to the systematic disfranchisement, repression and pure pauperisation of the tamil minority – and of all the other minorities: including the minority of singhalese people resisting the “Rajapaksa-System”. Anyhow: this leads to a fundamental political clarification, because the defence as well as the primordial assertion of democracy in Sri Lanka will find its proof finally in the minority-question. Further information on the 18th. Amendment you’ll find in the following eight contributions (Please click “Older entries” below this contribution), below we document the full text of the amendment itself.
Die Fotos dieser Ausgabe verdanken wir einem tamilischen Menschenrechtsaktivisten, der in diesem Sommer den Norden Sri Lankas bereist hat. Sie wurden mit verdeckter Kamera in Manik Farm aufgenommen, dem größten Gefangenenlager für tamilische Kriegsflüchtlinge und -vertriebene. Fast ein Jahr lang waren hier über 300.000 Menschen interniert, gegenwärtig werden hier immer noch um die 30.000 Menschen festgehalten. Die meisten “Freigelassenen” wurden busladungsweise an oft willkürlich ausgewählte Orte verbracht und dort mit einem völlig unzureichenden “Startgeld” ausgesetzt; viele neuerlich in kleineren, wenn auch meist besser ausgestatteten, doch ebenfalls militärisch bewachten Lagern interniert. Wir danken für die Überlassung der Fotos.
18th Amendment To Sri Lanka Constitution
Veröffentlicht: Oktober 12th, 2010 | Autor: Redaktion | Kategorie: News | Kommentare deaktiviert