Nach dem Monsun. Von Tanja Kokoska
15. März 2011(Only German) Jeder Mensch trägt eine Karte von Sri Lanka in seiner linken Hand: Die Hauptstadt Colombo am Daumen, die Stadt Galle links an der Handwurzel, am kleinen Finger Trincomalee. Und ganz oben, an der Spitze des Mittelfingers, liegt Jaffna, die Metropole der Tamilen. Dorthin reist jedoch kaum einer der Touristen, die den Inselstaat im Indischen Ozean besuchen. Im Norden und Osten des Landes führten Truppen der sri-lankischen Regierung und die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) 37 Jahre lang einen Bürgerkrieg. Die LTTE sah sich als Befreier der tamilischen Minderheit, meist Hindus, die von buddhistischen Singhalesen, drei Vierteln der Bevölkerung, unterdrückt wurden. Der Krieg endete im Frühjahr 2009, nachdem das Militär Rebellen und Zehntausende tamilische Zivilisten auf wenigen Quadratkilometern eingekesselt und bombardiert hatte. Mitte Mai 2009 erklärte Präsident Mahinda Rajapakse die LTTE für besiegt. In diesem Februar wütete in der Region um Jaffna und im Osten der Monsun. Das Wasser stieg in den Häusern und empor an Mauerresten, die von Einschusslöchern übersät sind. Es stieg auf den Reis- und Gemüsefeldern und vernichtete fast die gesamte Ernte. Nach offiziellen Angaben starben mehr als 60 Menschen, fast eine Million Tamilen sind betroffen von der Katastrophe. Ihr offizieller Verursacher ist die Natur, ihr prominenter Zuschauer ist der Präsident. Eine vorausschauende Regierung hätte die von der Flut bedrohten Gebiete präventiv evakuieren und Schutzwälle errichten lassen.
Nach dem Monsun. Von Tanja Kokoska, Frankfurter Rundschau, 2. März 2011
Veröffentlicht: März 15th, 2011 | Autor: Redaktion | Kategorie: News | Kommentare deaktiviert